Vom Totalschaden zum Trailgerät – Aufbau eines XCO-Hardtails mit Aliexpress-Rahmen
Manchmal braucht es einen Rückschlag, um etwas Neues zu starten. Nach dem Rennen in Reudern war klar: Sowohl mein Rahmen als auch die Federgabel hatten das Wochenende nicht überlebt. Die Entscheidung stand schnell: Ein neues XCO-Hardtail musste her – und zwar möglichst leicht, bezahlbar und mit möglichst vielen Teilen vom alten Bike.
Ziel: leicht, boost-kompatibel und bezahlbar
Mein Plan war ein Carbon-Hardtail mit 29-Zoll-Laufrädern und Boost-Standard. Um die Kosten im Rahmen zu halten, fiel die Wahl auf einen Carbonrahmen von Aliexpress. Zugegeben, hier schwingt immer ein gewisses Risiko mit – aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schlicht unschlagbar. Nach vielen Testberichten in unterschiedlichen Foren, vergleiche der Geometrie mit namhaften Herstellern und ein paar Nächten zum drüber nachdenken hab ich tatsächlich auf „Bestellen“ geklickt.
Der Versand war stressfrei, hat nur eine ganze Weile gedauert. Die ersten drei Wochen hat sich am Bestellstatus nichts geändert, aber dann ging es Schlag auf Schlag. Nach der ersten Änderung am Bestellstatus hat es nur noch wenige Tage gedauert bis das Paket angekommen ist. Perfekt eingepackt, an Klebeband und Schaumstoff scheint es beim Hersteller nicht zu mangeln 😉
Der Rahmen: überraschend solide
Der Carbonrahmen machte beim Auspacken sofort einen soliden Eindruck. Klar, er kommt nicht ganz an die Perfektion eines Markenherstellers heran – aber das war auch nicht zu erwarten. Die Verarbeitung ist insgesamt gut, die Oberflächen sauber laminiert, und die Geometrie passt für meinen Fahrstil im XCO-Einsatz.
Die innenverlegten Züge waren bereits mit Zugdrähten vorbereitet – ein echter Pluspunkt, der den Aufbau deutlich erleichtert hat. Etwas eng wurde es an einzelnen Stellen im Rahmeninneren, aber mit etwas Geduld ließ sich alles ordentlich verlegen. Besonders positiv: Im Lieferumfang waren bereits die Sattelklemme, der Steuersatz und eine Ahead-Kralle enthalten. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit bei der Teilebeschaffung. Die Aheadkralle war allerdings ein wenig seltsam und wurde durch eine übrige in der Krustelkiste ausgetauscht. Bei den Lagern für den Steuersatz bin ich gespannt wie lange sie durchhalten, da auch die Abdichtung dafür nicht ideal gelöst ist. Für den ersten Aufbau aber auf jeden Fall ausreichend. Die Sattelklemme wird vermutlich bleiben – ein Aluteil bei dem man nicht viel falsch machen kann. Hoffe ich.





Beim Tretlager ist leider PressFit angesagt. Bin ich eigentlich kein Fan davon, berufsbedingt mag ich Schraubverbindungen lieber, aber da musste ich eben Abstriche machen. Der Rahmen ist aber auch hier sehr ordentlich verarbeitet und die Lager liessen sich problemlos einpressen (nachdem ich das Erste spät Abends „nur noch gschwind“ einpressen wollte und es kaputt gemacht habe).
Was blieb vom alten Bike?
Am Ende konnte ich nur noch das Cockpit, die Bremsen (MAGURA MT7), die GX-Eagle-Schaltung und die Sattelstütze übernehmen. Der Rest musste neu beschafft werden.
Federgabel & Laufräder: pragmatisch und funktional
Bei der Federgabel fiel meine Wahl auf die AXON 32 von Suntour. Solide, funktional und für meinen Einsatzzweck absolut ausreichend. Sie mag nicht ganz das letzte Quäntchen Performance liefern wie eine Top-Gabel von Fox oder RockShox – aber sie erledigt ihren Job zuverlässig.
Als Laufräder kommen robuste DT Swiss X1800 zum Einsatz. Sie bringen etwas mehr Gewicht mit als High-End-Carbonlaufräder, sind dafür aber etwas stabiler und verzeihen auch mal einen Fahrfehler, damit bestens geeignet für ruppige Streckenabschnitte, bei denen man nicht ständig an seine Felgen denken möchte. Die Ventilkappen hab ich auch bei Aliexpress in der passenden Farbe dazugestellt.


Bereifung:
Ohne mich groß zu informieren habe ich mich für eine Kombination aus Racing Ralph und Racing Ray jeweils in 2,3er breite und ADDIX Speed Grip entschieden. Warum? Hab ich auf anderen Bikes gesehen, sah gut aus, schlanker Entscheidungsprozess 😎
Als Dichtmilch hab ich das genommen was gerade da war. MucOff – NoPuncture. Damit hab ich auf den anderen Bikes gute Erfahrungen gemacht, und die riecht so schön undefinierbar fruchtig – könnte Erdbeere sein 🤣


Ergebnis: eNTuro XCO#1 – vermutlich nicht das letzte seiner Art. Die große Tochter hat schon Ansprüche angemeldet.


Der Aufbau war kein Plug-and-Play-Projekt – aber gerade das macht den Reiz aus. Für den Preis bekommt man mit einem Aliexpress-Rahmen und sorgfältig ausgewählten Komponenten ein erstaunlich potentes XCO-Hardtail. Klar, es ist kein Leichtbau-Wunder mit High-End-Parts, aber dafür ein verlässlicher Trailpartner, der sich auch vor technischeren Kursen nicht verstecken muss. Das limitierende Element bleibt nach wie vor der Fahrer 😏
Ausblick: Auch wenn das Bike super fahrbar ist, das ein oder andere Teil könnte noch geändert werden.
- die Bremsen sind ein wenig überdimensioniert
- der Vorbau passt nicht so recht zu nem moderne XC-Bike und wird auch bald ausgetauscht
Die ersten Rennen und Stürze hat das Bike bereits hinter sich:
Rennbericht Gomaringen und Rennbericht Sauheldcup
Ride On