Eigentlich war alles gut. Meine Federgabel funktionierte, das Setup passte und ich war mit dem Fahrverhalten ziemlich zufrieden. Kein Grund also, irgendetwas zu ändern.
Aber für Ingenieure ist „Funktioniert“ ein gefährliches Wort. 😄
Denn nur weil etwas funktioniert, heißt nicht, dass es nicht noch besser gehen könnte.
Und so saß ich eines Abends auf der Couch und diskutierte mit ChatGPT über mein Fahrwerk. Was könnte man optimieren? Luftdruck? Low-Speed-Compression? Rebound? Vielleicht doch noch etwas an der Abstimmung ändern?
Irgendwann kam dann die erstaunlich unspektakuläre Empfehlung:
„Bau doch einfach einen zusätzlichen Token ein. Liegt eh im Keller, kostet nichts und du hast nichts zu verlieren.“
Na gut. Überredet.
Was macht dieser Token überhaupt?
Ein Token – oder Volumenspacer – verkleinert das Luftvolumen in der Luftkammer der Federgabel. Dadurch wird die Federkennlinie progressiver.

Heißt vereinfacht: Am Anfang des Federwegs bleibt das Verhalten der Gabel ähnlich wie bisher. Je tiefer sie eintaucht, desto stärker steigt aber die Gegenkraft an.
Die Gabel bekommt also mehr Support im mittleren und vor allem im letzten Teil des Federwegs, ohne dass man den Luftdruck erhöhen muss.
Theoretisch klingt das schon mal ganz gut.
Aber Theorie ist ja bekanntlich das eine. Die Wahrheit liefert der Trail! Un was soll ich sagen….
Es hat funktioniert. Und zwar deutlich besser als erwartet.
Auf unterschiedlichsten Strecken fühlte sich das Bike kontrollierter an. Gerade wenn es schnell wurde und harte Kompressionen, Wurzeln oder größere Schläge aufeinanderfolgten, hatte ich das Gefühl, dass die Gabel mehr Reserven hatte. Straffer zum Ende des Federwegs, ohne zu hart bei den kleinen Schlägen zu sein.
Ich konnte später bremsen, die Linie besser halten und musste weniger darüber nachdenken, was die Gabel gerade macht.
Und dann kam der interessante Teil:
Nicht nur mein Gefühl sagte mir, dass ich schneller war, Strava sagte es auch. Und Strava lügt bekanntlich ja nicht 😉
Auf meinen Leiblingsstrecken wie z.B. „Strada del Sol“ und „Frommestrail“, konnte ich meine bisherigen Top-to-Bottom-Zeiten knacken – teilweise deutlich. Meine eigenen Bestzeiten waren Geschichte.
Und das Ganze wegen eines kleinen Tokens, der irgendwo für ein paar Euro in der Werkstattkiste lag.
Die Moral der Geschichte?
Manchmal muss man ein funktionierendes Setup einfach mal hinterfragen.
Nicht weil es schlecht ist. Sondern weil gut nicht automatisch optimal bedeutet.
Um einen guten Freund zu zitieren: „Das Bessere ist des Guten Tod!“
Und manchmal braucht es dafür eben keine neue Federgabel, keinen neuen Dämpfer und auch kein sündhaft teures Tuning.
Manchmal reicht ein kleiner Token.
Wie siehts bei euch aus? Habt ihr Token verbaut oder wollt es mal testen?
Schaut gerne mal in unseren kleinen Fahrwerksguide oder meldet euch wenn ihr Hilfe benötigt.