Das Santa Cruz Bronson hat sich in den letzten Jahren als eine Art Allzweckwaffe im Bereich Enduro/All-Mountain etabliert. Mit 150 mm Federweg am Heck, 160 mm an der Front und dem typischen VPP-Hinterbau (Virtual Pivot Point) will es sowohl bergauf effizient als auch bergab kompromisslos sein.
„If in doubt, take a Bronson out!“ – so wirbt SantaCruz für das Bike. Eine Catchphrase die wie auf mich zugeschnitten war und ist. Ursprünglich habe ich mir das Orbea Rallon angeschaut, war aber aufgrund der Laufräder mit VR+HR 29″ bei meiner Körpergröße unsicher. Vor allem weil mir ein verspielter und agiler Hinterbau ganz gut gefällt habe ich noch weiter gesucht. Da kam das Werbeversprechen von SantaCruz gerade recht…
Ich habe das Rad in der MX-Version (29” Vorderrad / 27,5” Hinterrad) gekauft und mittlerweile drei Jahre getestet.
Erster Eindruck
Optisch bleibt Santa Cruz seiner Linie treu: klare Formen, hochwertige Lackierungen und ein Rahmenfinish, das fast schon als Referenz gelten darf. Die Geometrie fällt modern, aber nicht extrem aus. Mit 64,5° Lenkwinkel und einem eher langen Reach wirkt das Bronson sofort abfahrtsorientiert, ohne dabei den Uphill ganz zu vergessen.


Auf dem Trail
Bergauf:
Dank des effizienten VPP-Hinterbaus klettert das Bronson besser, als es die Federwegskategorie vermuten lässt. Im offenen Modus gibt es etwas Wippen, das sich mit einem kurzen Griff zum Lockout aber nahezu komplett eliminieren lässt. Sitzposition und Tretlagerhöhe machen lange Anstiege komfortabel – man sitzt zentral im Bike und verliert auch auf technischen Uphills kaum Traktion.
Bergab:
Hier spielt das Bronson seine Stärken voll aus. Das MX-Setup sorgt für eine gelungene Mischung: vorne Spurtreue und Sicherheit, hinten Agilität und ein verspieltes Handling. Das Fahrwerk schluckt grobes Gelände souverän weg, bleibt dabei aber immer definiert. Selbst bei schnellen Schlägen wirkt der Hinterbau nicht überfordert. Besonders auffällig ist das ausgewogene Handling: Das Bronson lässt sich sowohl präzise in enge Kurven zirkeln als auch mit Speed durch verblockte Sektionen prügeln.



Ich fahre nahezu das selbe Setup, egal ob im Bikepark oder auf den verblockten heimischen Trails an der Albkante. Bissle Rebound verstellen, mehr aber auch nicht.
Trotz dass ich von einem SOLID Magix mit 175mm Federweg am Heck verwöhnt war, fühlt sich das Bronson mit „nur“ 150mm auch auf ruppigen Trails super an und gibt den Federweg optimal frei. Die ersten Sorgen es könnte zu wenig sein haben sich als unbegründet herausgestellt, auch wenn der Dämpfer hin und wieder den vollen Weg ausnutzen darf.
Komponenten & Ausstattung
Wie üblich bietet Santa Cruz verschiedene Aufbauten – von GX- über X0- bis hin zu Reserve-Carbonlaufrädern. Die Testvariante mit Fox 36 Grip2 und RockShox Super Deluxe Coil wirkte perfekt abgestimmt. Da mein Bike schon ein paar Tage alt ist, ist noch eine SRAM GX EAGLE mit Schaltzug verbaut, die aber völlig unauffällig ihren Dienst verrichtet, auch wenn mal alles voll Matsch hängt.
Was ich nicht verstehen kann ist, warum die ganzen Bikes aktuell die SRAM GUIDE Bremse dran haben. Aus meiner Sicht taugt die nichts und passt nicht so recht an ein Bike in dieser Preiskategorie. Vielleicht ist das aber auch nur die subjektive Meinung eines MAGURA-Fans. Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr :-)
SPOILER: Die Bremsscheiben der serienmäßig verbauten Bremse liegen noch neuwertig bei mir im Keller.
Haltbarkeit & Details
Santa Cruz liefert lebenslange Garantie auf Rahmen und Lager – ein starkes Argument. Praktische Details wie das große Fach für einen Flaschenhalter, das „Glovebox“-Staufach im Unterrohr runden das Bild bei den neueren Modellen ab, ich muss die Handschuhe noch im HipBack verstauen 😉
Die saubere Kabelführung ist ein wahre Pracht und sucht ihresgleichen. Alle Leitungen liegen gegen Vibration gesichert oder entsprechend gedämpft im Rahmen. Ein Austausch der Leitungen ist stressfrei möglich.
Was das Ingenieursherz höher schlagen lässt, ist natürlich der zentrale Schmiernippel am Hinterbau. Kein lästiges Zerlegen der Gelenke, keine gestressten Abende im Keller die am Rande der Verzweiflung enden, einfach nur die Luft aus dem Dämpfer lassen, Fettpresse randrücken, überschüssiges Fett abwischen, erledigt! Allein dafür gibt man gerne ein paar Euro mehr aus 🙂
Service
Nach einiger Zeit habe ich ein undefinierbares aber reproduzierbares Knacken am Hinterbau unter Last festgestellt. Die Ursache dazu konnte ich selbst nicht auf Anhieb ausfindig machen, also hab ich mich direkt an SantaCruz gewandt. Auf einem Messestand in Saalbach Hinterglemm wurde mein Bike direkt inspiziert und im Ausschlussverfahren das Problem eingegrenzt. Aufgrund der Zeit wurde ich dann an den Riderssupport mit direkter Durchwahl und Ansprechpartner weitergeleitet, was für mich vollkommen in Ordnung war! Am nächsten Tag habe ich direkt jemanden erreicht der mir sofort weiterhelfen konnte. Trotz das es kein Problem von SantaCruz war, wurde mir kompetent geholfen und sicherheitshalber ein Lagerset für den Hinterbau zugeschickt (welches ich bisher noch nicht benötigt hab). So stelle ich mir das bei einer Premiummarke vor! Weiter so, danke!
Fazit
Das Santa Cruz Bronson ist ein echtes All-Mountain-Bike mit klarer Enduro-DNA. Wer ein Rad sucht, das auf alpinen Touren genauso Spaß macht wie im Bikepark, liegt hier goldrichtig. Es ist verspielt, aber dennoch laufruhig, klettert ordentlich und überzeugt mit Top-Verarbeitung. Ein Bike für Fahrer, die nur ein Rad (das ist natürlich nur eine Schutzbehauptung #n+1) besitzen möchten, das fast alles kann – vorausgesetzt, man ist bereit, den Santa-Cruz-typischen Premiumpreis zu bezahlen.
Pro:
- Vielseitiges Handling dank MX-Laufradkonzept
- Sehr guter Hinterbau (VPP)
- Top Verarbeitung & Details (Glovebox, Garantie)
- Bergab stark, trotzdem uphill-tauglich
Contra:
- Premiumpreis
- Kein Leichtgewicht