Wegbreitenregelung ade?

Vor ein paar Tagen hat mich eine Email von einem bis dahin unbekannten Absender erreicht. Endlich mal kein Spam, endlich mal was sinnvolles! Es geht um die Wegbreitenregelung für potentielle Radwege in den Wäldern von Baden Württemberg und die Frage warum es beinahe alle um uns herum besser in den Griff bekommen als wir!

Im folgenden, die Mail und der zugehörige Brief im Originalwortlaut:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

ich möchte gerne das Angebot auf Ihrer Homepage, Sie kontaktieren zu dürfen, wahrnehmen und wende mich mit dem beigefügten offenen Brief in Sachen „Radfahren im Walde“ an Sie.
Da es in der gebotenen Kürze nicht möglich ist sämtliche Aspekte im Detail anzusprechen, stehe ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern gerne für eine weitere Korrespondenz zur Verfügung.
Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auch auf www.dimb.de, der Homepage der Deutschen Initiative Mountainbike e. V.

Diese Mail mit dem offenen Brief geht ebenso an Herrn Bürgermeister Johannes Buchter, den Landtagsabgeordneten Herrn Hans-Martin Haller(SPD), sowie an die Abgeordneten Ihrer Landtagsfraktion, ferner an Herrn Minister Alexander Bonde sowie, Frau Staatssekretärin Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung.

Des Weiteren erreicht diese Mail u. a. auch Vertreter der Presse, des Tourismus, einige Radfahrer und natürlich auch den Schwäbischen Albverein und den Schwarzwaldverein aber auch die anderen anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND, LNV, SDW sowie den Landesjagdverband und die Naturfreunde in Baden und Württemberg und nicht zuletzt die Forstbehörden. 

Aus aktuellem Anlass darf ich an dieser Stelle nicht versäumen darauf aufmerksam zu machen, dass in Hessen nach einer kurzen Phase des intensiven öffentlichen Meinungsaustauschs der Landtag am 8. Juli ein neues Hessische Waldgesetz beschlossen hat, mit Regelungen zum Betretungsrecht, das „die Eigentumsrechte ebenso schützt wie auch die berechtigten Nutzungsinteressen der Allgemeinheit als Freizeit- und Erholungsraum abbildet“ – ganz ohne eine Festlegung einer Wegebreiten-Regelung. In meiner Heimat Bayern haben sich entsprechende Regelungen bereits seit ihrer Einführung 1973 bewährt. „Sie befrieden auf der einen Seite Konflikte zwischen Erholungsuchenden untereinander sowie auch im Verhältnis zu Grundeigentümern und gewährleisten auf der anderen Seite einen pfleglichen Umgang mit der Natur.“ 

Als Bayer muss ich, bevor Sie zu meinem Brief kommen, noch klarstellen, dass die Meinung des früheren Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum (sieheDrucksache 14/1089) in Bayern würde zumindest verwaltungsintern von einer 2-Meter-Regel ausgegangen nicht nur jeder sachlichen Grundlage entbehrt, sondern auch verkennt, dass eine solche Regel, wie sie in Baden-Württemberg besteht, einen eklatanten Verstoß gegen die Bayerische Verfassung (Art. 141 Abs. 3 Satz 1 BV) darstellen würde.
       
Da heute ja nichts mehr ohne Facebook geht, empfehle ich auch einen Besuch von Open Trails! Kein Bikeverbot in Hessen mit vielen interessanten Beiträgen.

Mit freundlichen Grüßen

Roland Albrecht
Birkenstr. 5A
86706 Lichtenau
08450/925055

Ja, viel Text, aber endlich kommt mal Bewegung in die Sache.

Hier noch der Link zum offenen Brief im PDF-Format: Radfahren im Walde

Falls sich jemand fragt wie wir uns dann nennen falls die Wegbreitenregelung abgeschafft wird: less2m – jetzt erst recht 😉

Wir halten Euch natürlich immer auf dem Laufenden wenn es was neues gibt.

Rock on

Sven

Kitzsteinhorn – das Trailfeuerwerk?

Eins vorweg, nachdem ich unten war musste ich plötzlich an folgendes Filmzitat denken:

„Was liest du da?“ – „Große Erwartungen.“ – „Und wie isses?“ – „Hab mir mehr davon erhofft!“

Nachdem in der letzten Freeride so ausgiebig von den Trails am Kitzsteinhorn geschwärmt wurde, wollten wir es uns nicht nehmen lassen auf dem eh geplanten Wellnesswochenende einen kleinen Abstecher zu machen um uns selbst vom Trailfeuerwerk faszinieren zu lassen – oder auch nicht!

Im Folgenden ein (fast) neutraler Bericht zu den drei Freeridetrails am Kitzsteinhorn.

Der oberste „Geißstein-Trail“ startet am Alpincenter auf ca. 2400m, war aber aufgrund des schlechten Wetters und Schnee nicht befahrbar – die Bikes wurden aus Sicherheitsgründen erst gar nicht nach ganz oben befördert. Ok, Safety first, war wirklich zu viel Schnee um zu fahren! Aber der Trail kann unmöglich so gut sein um den Rest zu kompensieren.

Der zweite Teil ist der „Wüstlau-Trail“, der über 7.700 m Länge und 1070 m Höhendifferenz von der Häuslalm über Almböden und Wald bis ins Tal führt. Der teilweise technisch anspruchsvolle Trail ist gespickt mit Spitzkehren, Anliegerkurven und einigen Stein- und Wurzelpassagen, führt allerdings auch viel zu viele Meter über normale Roadtrails.

Der Einstieg direkt unter der Gondel ist spaßig und enthält schön gebaute Anlieger mit ein paar kleinen Sprüngen, perfekt zum warm werden. Allerdings fehlt dann ein würdiger Anschluss und es kommt schon beinahe etwas Langeweile auf.

Interessant wird es erst wieder im letzten Drittel, am Abzweig zum Bachlertrail – hier ist der Einstieg schon recht sportlich, und man sollte sich nicht vor steilen Spitzkehren fürchten bei denen auch mal das Hinterrad versetzen werden muss um rumzukommen.

Aber auch hier fehlt etwas die Abwechslung da nach den ersten Kurven keine neue Herausforderung ansteht.

Etwas flowiger wird’s im allerletzten Stück bei dem man den langen Serpentinen bis ins Tal folgt. Richtungswechsel gibt’s auch wieder über Spitzkehren die aber alles in allem easy zu fahren sind. Die geraden Stücke sind etwas felsig, aber weit davon entfernt ein Big-Bike zu rechtfertigen – mit 160mm war ich bestens ausgerüstet, und die Bezeichnung „verblockt“ wäre wirklich weit hergeholt!

Im Tal angekommen schoss mir das oben genannte Filmzitat in den Kopf direkt gefolgt von: „Das wars schon?!??!“ – Nicht ganz, der Bachler Trail war meine letzte Hoffnung, also ab zur Maiskogelbahn die einen auf beinahe direktem Weg zum Trail bringt. An dieser Stelle vielen Dank noch mal an Hubert von der Bergbahn der mich auch ohne genügend Bargeld mit nach oben genommen hat – „Gibst mr was d’ hast. Bassd scho!“

Hier passt die Beschreibung zum Trail – für Anfänger geeignet mit ein paar schönen Anliegern und kleinen Sprüngen – ein spaßiger Abschluss, nicht mehr, nicht weniger!

Es soll auf keinen Fall so rüberkommen als ob man auf den ganzen Trails dort keinen Spaß haben kann, aber von einem angekündigten Trailfeuerwerk hätte ich einfach mehr erwartet.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nur von den Trails auf unseren Alpenüberquerungen verwöhnt…

Also liebe FREERIDE, falls dass hier jemand lesen sollte, bitte mit Superlativen in Euren Beschreibungen etwas sparsamer umgehen, auch wenn’s den Artikel interessanter macht.

Hier noch ein paar Fakten:

Die Bergfahrt zum Alpincenter (Einstieg Geißstein-Trail) kostet 23€, und die bis zur Bergstation der ersten Gondel  liegt bei 13€ – von hier aus kann man in den „Wüstlau-Trail“ einsteigen. Im Preis enthalten sind 2€ Pfand, die man allerdings nur wieder bekommt wenn man nach der Abfahrt wieder zur Talstation zurückstrampelt.

Die Beförderung vom Bike ist kostenlos und die kompletten Trails sind vorbildlich ausgeschildert.

Kulturschock inklusive: Nicht dass es ein Problem wäre, aber wir waren dann doch sehr überrascht dass 90% der Touristen komplett schwarz verhüllte Frauen bei sich hatten und die Männer einheitlich in Trainingshosen aus den 80ern rumgelaufen sind..

FAZIT: Wenn Ihr sowieso dort sein solltet lohnt es sich auf jeden Fall eine Testrunde auf den Trails zu drehen. Wer überlegt extra hinzufahren sollte  doch lieber direkt nach Leogang oder Saalbach fahren und das Big-Bike einpacken!

Wenn Ihr auf der Suche nach einem hochalpinen Trail seid, fahrt besser nach Innsbruck an die Nordkette oder schaut mal an der Zugspitze vorbei.

Um dem mangelnden Downhilladrenalin noch auf die Sprünge zu helfen haben wir uns noch zu einem actionreichen Alternativprogramm hinreißen lassen J

Ein paar Eindrücke von der Gegend und unserem Aufenthalt findet Ihr in der Gallerie, die GPS-Daten zu den Trails gibt’s direkt auf der Homepage vom Kitzsteinhorn.

Ride on,

Sven