Nordkettentrail und Canyoning…

…oder das Wochenende mit vielen Erkenntnissen 🙂

Für Samstags war Canyoning im Ötztal als Auftakt zu einem Junggesellenabschied mit Übernachtung auf einem Campingplatz nahe Innsbruck geplant. Was liegt also näher als einen Tag früher zu starten um den Nordkettentrail auf der Todo-Liste abhaken zu können? Gesagt, getan, Autos gepackt und Abfahrt. Fünf Personen, Vier Stunden Fahrt, drei Beifahrer, zwei Fahrer, ein Ziel!

Entgegen den Empfehlungen auf der Homepage vom Nordkettentrail empfielt es sich nicht in der Congressgarage in der Stadt, sonder direkt vor der Bergbahn zu parken. Die Tiefgarage in der City ist zwar kostenlos, aber man muss noch mit der Strassenbahn zur Talstation der Gondel fahren, und die Einfahrt ist nur für Fahrzeuge bis 2,10m geeignet – zu wenig für unseren Ducato 🙂

Die Parkgebühren von 6€ mögen zwar auf den ersten Blick viel erscheinen, werden aber beim Kauf eines Bergbahntickets erstattet – und das kauft eh jeder der auf den Trail will, weil 900hm kurbeln oder schieben mit dem DH-Bike ist glaub mit wenig Spaß verbunden. 21€ für die Halbtageskarte ist zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber was tut man nicht alles…

Für Biker ist die Beförderung an der Bergstation Seegrube auf ca. 1900m schluss, was aber durchaus ausreichend ist wenn man bedenkt dass 900 Tiefenmeter vor einem liegen.

Von der Bergstation aus geht’s über ein paar kleine Serpentinen über Geröll bergab zum Traileinstieg – hier könnte die Verantwortlichen wirklich was ändern, das ist selbst mit groben Reifen wie der MuddyMary in 2.5 besch…en zu fahren.

Der Einstieg in den Trail wird von einem Schild mit ein paar Zusatzinformationen angekündigt und ist so ganz ohne Warm-Up auf den ersten Blick wirklich steil – sehr steil! Safety first und wir starten erst ein paar Meter weiter unten.

Der lose Untergrund in den oberen Sektionen macht uns stark zu schaffen und wir haben alle Probleme in den Trail zu finden und die Bikes ordentlich unter Kontrolle zu bringen – der ein oder andere unfreiwillige Abstieg bestätigt das 😉

Während der Fahrt starten bereits die ersten Diskussionen ob wir uns das noch mal geben müssen – die Antwort gab der Trail selbst! So grob geschätzt ab dem zweiten Drittel kommt man in Richtung Baumgrenze, was den Untergrund auch zunehmend fahrbarer macht und den Spaßfaktor in die Höhe treibt.

Sehr gut gebaute Northshoreelemente, kleine Anlieger, technische Passagen gefolgt von einem Drop, Serpentinen und ein paar „Mut-zur-Lücke“ Stellen sorgen für pures Trailvergnügen und lassen den Adrenalinspiegel ansteigen. Viel Zeit zum Durchatmen gibt es nicht, da eine Herausforderung direkt an die andere anknüpft.

Über die Wahl des richtigen Bikes kann man sich aus unserer Sicht stundenlang streiten – in den technischen Passagen und engen kehren wünscht man sich die Wendigkeit eines Enduros, bei den „BigBalls-Stellen“ ist man mit Federweg von größer 180mm sehr gut beraten – letztendlich muss es dann die Fahrtechnik richten, und da ist immer Luft nach oben!

Für die erste Abfahrt haben wie inklusive Sturzpausen, Routensuche und Lineduskussionen knapp 50min gebraucht – sehr lange wenn man bedenkt dass der Streckenrekord unter 11min liegt! Ein Local hat uns im Basketballtrikot und Knieschonern zweimal überholt (Protektoren werden hier wohl überbewertet 🙂 ) – aber das lag garantiert NUR daran dass er den Trail besser kennt als wir 😉

Die zweite Abfahrt ging wesentlich schneller, Patrick hatte den Flow und wir sind im gefolgt 🙂 Hier waren es dann inklusive Sturzpausen und Zwischenstopp an einem Brunnen gefühlte 35-40min – auch noch nicht soooo schnell, aber hey, wir hatten Spaß, und das allein zählt!

Nach der zweiten Abfahrt haben wir uns dann dafür entschieden den Biketag zu beenden, wir waren lange unterwegs, hatten wenig gegessen und die Konzentration ist auf dem Trail in wirklich jeder Sekunde gefordert – Erholungspassagen: FEHLANZEIGE! Nachdem wir den Österreichern dann erklärt haben was ein Heferadler ist und wie es zubereitet wird, konnten wir auch unseren Elektrolythaushalt wieder ausgleichen und den Rest des Tages genießen. Einkaufen, Grillen, Männergespräche, Biketuning, LÄUFT! Zum Abschluss des Tages noch etwas Yoga 😉

Der Campingplatz Kranebitten bei Innsbruck ist wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, großzügige Parzellen, freundliches Personal, sehr gute sanitäre Anlagen, nur der trockene und steinige Boden hat den schwäbischen Erfindergeist gefordert:

Gefühlte 50°C im Zelt, Morgendämmerung um – keine Ahnung, aber viel zu früh – krachmachende Raben am Zaun hinterm Zelt beenden die Nacht früher als geplant, aber kein Problem, die Kollegen die von zu Hause aus zum Canyoning dazustoßen sind schon viel länger „wach“. Frühstück gibt’s im Hotel 100m vom Campingplatz entfernt – nichts besonderes, aber völlig ausreichend. Um es mit der Definition vom Frühstückstisch zu sagen: Wir haben schon für mehr Geld schlechter gefrühstückt und waren trotzdem zufrieden!

Wir treffen den Rest der Truppe pünktlich kurz vor neun direkt beim Canyoningversanstalter wasser-c-raft im Ötztal und bekommen auch gleich eine kurze Einweisung und die Klamotten zugewiesen.

Richtig schön dicke Neoprenanzüge anzuziehen war der erste Kraftakt des Tages und das Frühstück gleich wieder verbrannt. Es wird der bis dahin heisseste Tag in Österreich, und wir stehen im dicken Neopren da und warten auf die Abfahrt – nicht zu glauben wie viel Schweiss in einen Stiefel passt – PFUI!

Nach einer kurzen Sicheheitseinweisung gings mit dem Großraumtaxi los in Richtung Krebsklamm – die ursprünglich geplante Tour konnten wir leider nicht machen da es beim aktuellen Wasserstand ein zu großes Risiko gewesen wäre – schade, aber Sicherheit geht vor, vor allem da vor kurzem erst zwei Personen ihr leben lassen mussten weil die Wassermenge falsch eingeschätzt wurde – R.I.P.

An dieser Stelle ein kurzes Dankeschön dass die Tourguides so viel Verantwortungsbewusstsein haben und nicht nur auf möglichst viel Adrenalin sondern auf die Sicherheit der meist unerfahrenen Kursteilnehmer Rücksicht nehmen!

Bevor wir in die Tour einsteigen können mussten wir knapp 20min querfeldein durch den Wald laufen um an den Start zu gelangen. Bereits hier war Trittsicherheit und grundlegende „Kletterkünste“ gefragt 🙂 An der ersten Abseilstelle angekommen herrschte eine für unsere Gruppe ungewohnte Stille – Respekt, Aufregung und natürlich wilde Entschlossenheit und volle Konzentration!

 

Das Abseilen an sich war einigen von uns schon vom Klettern bekannt, allerdings ohne die kalten Wassermassen die auf einen einprasseln und mit wesentlich mehr Grip am Fels. Auch die Tatsache dass man teilweise nicht sehen konnte wo man hintritt, sorgt ab und an für ein Aha-Erlebnis, spätestens dann wenn man auf einmal frei am Seil baumelt wo man sich fast sicher war einen guten Tritt erwischt zu haben.

Abseilstellen weit über 30m, Wassertemperaturen unter 10°C, rutschige Passagen, Baumstämme die als Rutsche dienen, Ausblick auf die Berge und ins Tal, eine spitzen Gruppe und gutgelaunte Tourguides die genau wussten was zu tun ist haben den Tag in der Schlucht zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht! Beim nächsten Mal gibt’s dann die Tour mit mehr Sprüngen und Rutschen sofern das Wetter mitspielt!

Am Ende der Schlucht wurden wir wieder vom Taxi abgeholt und zurück ins Basislager gebracht wo wir uns aus dem Neopren schälen durften was teilweise ohne Hilfe nicht möglich war. Zum Abschluss gabs noch ne kleine Wanderung zur nächsten Grillstelle für eine kleine Stärkung – wir haben es einfach mal Alpengyros getauft:

Zur Belohnung gabs noch ne Urkunde und ne Runde Schnaps die den restlichen Tag einleiten sollte – schliesslich waren wir ja zum Junggesellenabschied von Stefan hier – Ihr werdet verstehen dass der Rest des Tages der Zensur unterliegt 🙂

Bleibt nur noch zu sagen, danke an die Tourguides Franz-Josef und Eddy die uns sicher durch die Schlucht gebracht haben, und danke an alle Jungs die dabei waren und diesen Event erst möglich gemacht haben.

Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, in Kürze noch die wichtigsten Erkenntnisse des Wochenendes:

  • Blumen am Schuh kann nicht jeder tragen
  • Wenn Patrick den Flow hat, dann hat er den Flow
  • Der schnellste Weg zum Frontflip auf dem Bike ist durch ne Abkürzung auf dem Nordkettentrail
  • Vom Bike abzuspringen um sich nicht die edelsten Teile anzuschlagen lohnt sich nur dann wenn man nicht auf einem Ast landet an dem man sich dann die edelsten Teile anschlägt
  • Geröll ist scheisse
  • Die Stimme von Campino transportiert viel Gefühl
  • Ein roter Hebel macht noch lange kein warmes Wasser
  • Avid Elixir 3 an DH-Bikes ist nicht sehr standhaft – die CODE muss her
  • Stau ist ein Depp
  • Protektorenpflicht ist Auslegungssache
  • Die Schwerkraft siegt immer
  • Für 3€ Bike-Winterhandschuhe vom ALDI zahlt man in besonderen Situationen auch mal gern 15€

Hier noch die Bilder zum Trail:

Und hier die zum Canyoning:

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