AlpX 2011 – Tourbericht

Am 14.08.2011 klingelt der Wecker bereits um 6h30 – zum Glück nicht verschlafen! Wochen der Vorbereitung und Organisation liegen hinter, und die Tour von St.Anton bis nach Riva vor uns. 310 Kilometer und knapp 11000 Höhenmeter. Ein zurück gibt es nicht mehr. Der Rucksack ist gepackt, das Bike gecheckt, mehr haben wir eh nicht dabei. Kann also nichts mehr schief gehen.

Dieses Jahr reisen wir mit dem Zug an. Stefan, Patrick und ich aus Nürtingen, Basti aus Salzburg. Zielbahnhof St.Anton. Die Vorfreude und ein Schaffner der lieber mit uns übers Biken redet als Fahrkarten zu kontrollieren machen die knapp acht Stunden Zugfahrt zu einem kurzweiligen Erlebnis. Auch der Schienenersatzverkehr mit Bussen von Bludenz nach St.Anton funktionierte perfekt. Die Bikes passten zwar nicht so ganz in die Halterungen, aber sind heil angekommen.

Endstation St.Anton und Basti wartet bereits auf uns und hat im Hotel eingecheckt. Zehn Minuten bergauf – kein Problem.

Zum Abendessen gabs nen Rostbraten der so dünn war dass er bereits ohne in der Pfanne gewesen zu sein Medium war – ich hab schon dickeres Carpaccio gesehen J

Nach dem Essen noch ne Runde Karten zocken und dann ab ins Bett.

Tag 1:

7 Uhr, Regen, die Frisur sitzt. Warum sollte es auch anders sein als im letzten Jahr?! Kurz die Regenpelle übergestülpt, High-Five mit den Jungs, Abfahrt – schlechtes Wetter gibt es nicht 🙂

Wir starten direkt bergauf und haben noch knapp 3500hm vor uns. Das Wetter ist extrem Wechselhaft, Jacke an, Jacke aus, Beinlinge ja oder nein.

Auf halber Strecke entdecken wir den Staudamm Kops, der schon beinahe versteckt in der Landschaft liegt und doch so riessig  ist. Hier lohnt sich ein kleiner Abstecher!

Weiter geht’s über ein paar nette Trails bis zur Silvrettastraße die uns unspektakulär aber schnell nach Ischgl bringt.

Dort angekommen stehen wir vor der Entscheidung 1000hm zu strampeln ohne Trails oder zuerst zu Gondeln und dann noch mal 1000hm auf den Spuren von Hans „No way“ Rey dem Salaaser Trail auf dem Bergkamm zu folgen. Dürfte klar sein wofür wir uns entschieden haben 🙂 Ab in die Gondel, weiter mit dem Sessellift und dann schieben bis zur Greitspitze. Ab hier ging es einen Sahnetrail immer am Grat entlang – links die Schweiz, rechts Österreich – die Welt lag uns zu Füßen 🙂

Nach dem Trail ist aber bekanntlich vor dem Trail und das bedeutete schuften. Eine ziemlich lange Schiebe- und Tragepassage über ein langes Geröllfeld und anschließend steil bergauf haben uns die letzten Kräfte abverlangt.

Nach knapp zehn Stunden auf dem Bike war die Heidelberger Hütte in Sichtweite und wir dreckig aber glücklich. Der letzte Trail zur Hütte war noch mal knackig und hat unsere Dämpfer auf die Probe gestellt – mit Erfolg! Ausgewaschen, schlammig, zerfahren und steil – genau wie wir es gerne haben. Im Anschluss noch eine Waschanlage für die Bikes 🙂

Wir werden auf der Hütte sehr freundlich empfangen und der Trockenraum für die Kleidung spielt uns in die Karten. In der Halbpension war ein 3-Gänge Essen enthalten das sehr zu empfehlen ist! Die Bedienungen sind sehr freundlich und zum Frühstück gibt’s alles was das Herz begehrt. Sogar Papiertüten für Pausenbrote sind vorhanden! Wir sind uns einig: An Preis/Leistung kaum zu überbieten!

Tag2:

Nachdem wir am Vorabend bei Regen ins Bett sind, war bereits um 6Uhr klar dass heute alles besser wird. Wolkenloser Himmel, ab zum Frühstück! Müsli, Wurst, Käse, Kaffee, Tee, Vollkornbrot und ein wenig Obst – so kann ein Tag starten.

Direkt vor der Türe starten wir die Schiebepassage zum Fimberpass und werden unterwegs von ein paar Hardtailfahrern überholt und belächelt – keine Angst wir sehen uns wieder, spätestens wenn Ihr auf der anderen Seite runtertragen müsst 🙂

Nach einem kurzen Luftdruckcheck am Gipfel konnte die Abfahrt beginnen. Zuerst flowig, dann technisch und steil, aber alles fahrbar – jedenfalls für uns. Im Vorbeiflug grüßen wir noch freundlich die netten Hardtailfahrer von heute morgen. Man sieht sich eben immer zweimal! Zwischendrin werden wir von einer Wandersfrau ausgebremst die ihren Rhythmus nicht wegen uns ändern wollte, na ja vielleicht hatte Sie schlecht geschlafen. Wir wünschen Ihr auf diesem Weg noch nachträglich alles gute auf der Suche nach dem perfekten flow 😉

Das erste Highlight des Tages liegt hinter uns, wir geniessen noch kurz das Panorama.

Weiter geht’s mit direktem Kurs auf die legendäre Uinaschlucht! Ein paar Meter über Asphalt waren nötig um ins nächste Tal zu gelangen. Ein notwendiges übel, aber nicht weiter schlimm. An der Einfahrt zur Schlucht werden wir noch kurz daran erinnert dass die Sicherheit vorgeht – sehr vorbildlich!

Vor Ort mussten wir feststellen dass es bis zu dem in den Fels gesprengten Weg noch ein paar Höhenmeter zu bewältigen gab. Es ging 400hm die Schlucht entlang bis wir den ersten Blick auf den schmalen Handelsweg erhaschen konnten. Nach einer kleinen Rast an einer Sennerei machten wir uns auf den Weg der Legende zu folgen 🙂

Sehr schmal und teilweise nicht abgesichert schlängelt sich der Weg im und am Fels entlang bis man nach weiteren 400hm eine Hochebene erreicht.

Solange sich Basti auf die Wassersuche begab und sich schon beinahe ausser Sichtweite befand, haben wir anderen einfach den Gebirgsbach benutzt der nach knapp 200m unseren Weg kreuzte. Um eine Erfahrung reicher bewältigten wir die letzten unwegsamen Meter zur Sesvenahütte gemeinsam. Während sich die Carbonradfahrer für das runterschieben stärken, hieß es für uns: Sattel runter, Bremsen auf, Adrenalin!

Einen Platten unterwegs im Formel-1-Style direkt vor einer Hütte innerhalb von knapp drei Minuten behoben – das wir keinen Beifall bekommen haben war alles 😉

Unspektakulär ging‘s weiter zu unserem Hotel in Morter. Beim Abendessen kam die Frage auf warum eine Bedienung ohne Wechselgeld unterwegs ist –  dieses Phänomen soll uns noch mehrmals begegnen, die Antwort bleibt jedoch aus!

Tag 3:

Die Müdigkeit am dritten Tag wurde durch eine Dusche auf der Fahrt durch Apfelplantagen vertrieben. Der Aufstieg über die Laatscher Alm zur Tarscher Hütte war nicht ohne.

Aber wir wußten ja was auf uns wartet – Kaiserschmarrn!! Danach war zwar 1 Stunde Verdauung angesagt, aber die Akkus wieder auf 100% geladen.

Ab der Tarscher Hütte hieß es schieben oder tragen bis auf den Tarscher Pass. Die Aussicht war aber jede Mühe wert und die Trails in Richtung Checkpoint St. Gertraud waren 1A. Lediglich der Schaltzug von Stefan mußte hier sein Leben lassen (R.I.P.).

In St. Getraud fanden wir Perfekte Verhältnis im Hotel vor. Räder waschen, Sauna genießen und den Waschservice voll in Anspruch nehmen. Ein geiler Abschluss eines perfekten Tages.

Tag 4:

Heute hieß es vor dem Start Schaltzug reparieren.

Durch einen Schraubenbruch wurde dies schwerer als gedacht. Nach einigen Problemen und letztendlich einem genialen Einfall von Basti konnte Schaltung und Schaltzug top repariert werden. Leider mussten wir hier einen schmerzhaften Verlust hinnehmen. Wir Gedenken in Stille an Bastis Garmin.

Auch hier hieß es nun wieder 800hm fahren und 400hm schieben. Die Pause an dem Bergbach war hier genau der richtige Energiespender.

Danach hieß es noch ein paar Höhenmeter schieben und dann nichts wie Luft raus aus den Reifen, Dämpfer checken und einen der geilsten Trails der Tour genießen. Wir alle gerieten das ein oder andere Mal immer wieder in einen „Blutrausch“. Dieser endete am Schluss der Trails mit ungewolltem Bodenkontakt noch einen Drop auf die kreuzende Schotterstraße.

Ärmel abklopfen, Wunde mit Alkohol desinfizieren und ab ins Tal. Vielen Dank an dieser Stelle an die nette Apothekerin – perfekt verarztet ging es weiter ins Hotel nach Dimaro.

Das Abendessen war, sagen wir eine echte Überraschung. Den bestellten Burger haben wir uns dann eben selbst gemacht.

Tag 5:

Nach einem typisch italienischen Frühstück bei einem Rennradteam noch schnell etwas Luft geschnorrt und mal wieder einen Schlauch in Rekordzeit getauscht bevor es losgeht. Die vom letzten Jahr bekannte Strecke von Dimaro nach Madonna die Campiglio lag vor uns. Auf 18 Kilometer ca. 800 Höhenmeter – kein Problem nach den vergangenen Tagen.

Voller Vorfreude aufs Gondeln und den höchsten Erwartungen an den Trail vom letzten Jahr war das Ergebnis eher ernüchternd. Der Trail war langweilig mit streckenweise müßigen Uphillpassagen. Kann es sein dass sich unsere Fahrtechnik im letzten Jahr so sehr verbessert hat. Anders können wir uns es nicht erklären. So schnell geht’s from Hero to Zero. Selbst die Wellen auf dem Fußgängerweg waren spaßiger.

Nach einer Runde durch den örtlichen Bikepark und einem obligatorischen Eis (Dos bollos im Becher please) gings im Nachbarhotel in die Saunalandschaft. So viel Luxus muss sein J Beim Abendessen mussten wir beinahe einstimmig feststellen: Kaninchen ist nicht so der Bringer!

Tag 6:

Gestartet sind wir wie im letzten Jahr und haben einen kleinen Frühstückstrail mitgenommen. Die drei bar im Reifen für die Strecke die vor uns liegt waren deutlich spürbar – Grip ist anders. Nachdem wir erstmal knapp 800hm bergab unterwegs waren ging es recht lange an einem Fluss entlang bevor wir den vermeintlich letzten Pass (Wie hiess der Pass?) der Tour auf Asphalt bewältigen mussten. Unterwegs noch kurz schleifende Bremsbeläge getauscht, und die restlichen Höhenmeter in Rekordzeit vernichtet. Am höchsten Punkt waren wir auf Trailsuche um ins Tal zu kommen, leider nur mit mäßigem Erfolg. Tragepassagen und teilweise umkehren trugen nicht zum Erhöhen des Spaßfaktors bei. Kurz vor dem Ziel hat uns das Navi durch den Urwald gelotst. Es war weit und breit kein Weg erkennbar, aber laut GPS waren wir richtig. Nur einzelne markierte Bäume liessen noch vermuten dass hier vor Jahren mal ein Weg entlang ging. Schieben, tragen, klettern war angesagt.

Bei den letzten Tiefenmetern über die Passstraße nach Riva haben wir noch den wunderschön gelegenen Tennosee entdeckt, den wir in der folgenden Woche auch zum Baden besucht haben. Postkartenpanorama, aber leider auch ein Steinstrand.

Für die endgültige Abfahrt nach Riva haben wir uns für den Adrenalinotrail entschieden – joaaa ganz nett, aber nicht empfehlenswert. Steil, schnell, technisch nicht wirklich anspruchsvoll und ein unnötiger Verschleiß an Bremsbelägen. Der Name hält nicht wirklich was er verspricht.

Letztendlich sind alle mehr oder weniger heil am Gardasee angekommen.

Im nächsten Jahr wird’s aber wohl eher ne Tour mit wenig Höhen- und viel Tiefenmetern!

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